Kacheln zieh’n durch meine Träume;
eine Kachel pro Gesicht
und dahinter fremde Räume,
mal mit viel, mal ohne Licht.

Hier ein Tisch mit Blumentopf,
da ganz unten rechts am Rand
steht mal wieder einer Kopf
und nie fehlt die Bücherwand.

Kacheln prägen sich ins Hirn
und die Kacheln haben Namen,
steh’n gebündelt auf dem Schirm,
A, M, E im schwarzen Rahmen.

Dann ein Knistern, Knattern, Rauschen
und ich stell’ mir g’rade vor,
wie die andern Kacheln lauschen,
da dringt Scheppern an mein Ohr.

„Fellow Jitser“ zischt herein.
Alle Kacheln wackeln sacht.
Lautes Echo stellt sich ein,
bis es nochmal knackt und kracht.

Kacheln das Gemüt umschichten.
Da – links oben ruckelt es!
Jemand muss die Webcam richten,
das bereitet etwas Stress.

Kurz sieht man ihn jetzt erstarren.
Rauschen hat sich nun gelegt.
Alle andern Kacheln harren,
bis er wieder sich bewegt.

Dann ein Appell, sich stumm
und unsichtbar zu schalten…
Die meisten Kacheln können nun
ganz gut Verbindung halten.

Kacheln greifen dieser Tage
unsrer Zukunft hastig vor,
lenken Welt- und Lebenslage,
drängen gar in unsern Chor.

Digital wird unser Singen
in der Kacheleinsamkeit,
wo wir mit der Technik ringen,
sich unser Tun vom Sinn befreit.

Löchrig, hohl und ziemlich leise,
plötzlich abgehackt und laut,
klingt recht blechern eine Weise.
Ob’s den Nachbarn wohl erbaut?

Kacheln legen Nerven blank.
Dennoch sei hier auch erwähnt:
Jeden Dienstag – lieben Dank! –
werden sie herbeigesehnt!

Haltet durch, ihr Kachelsänger,
schmettert trotzig in die Stube
und habt ihr ‘nen Seelenhänger,
dann drückt extra auf die Tube!

Träumt den strahlend fetten Klang
euch mit Fantasie herbei,
werdet bitte bloß nicht krank
bis ans End’ der Kachelei!

Petra Henschel