Tja, liebe Sangesschwestern und -brüder, liebe Leserinnen und Leser dieses besonderen AEA nach einem besonderen Jahr, wie soll man einen Rückblick auf dieses chaotische, verrückte, frustrierende Jahr 2020 beginnen? Am liebsten mit: „vergessen“, „ab in die Tonne“, „abhaken“….

Aber der Reihe nach. Es hatte so vielversprechend begonnen. Wir hatten am 1. Januar 2020 wieder unseren bereits traditionellen Auftritt in der Philharmonie mit der Neunten von Beethoven. Natürlich mit den „üblichen Nebenwirkungen“, wie aufkommender Nervosität verbunden mit letzten kleinen Unsicherheiten…. Aber dann: Nach Aussagen vieler Besucher, selbst von Herrn Sikora, und dann auch von Uli war das wohl eine der besten, wenn nicht gar die beste Neunte, die wir jemals „abgeliefert“ haben.

Und das machte uns Mut im Hinblick auf die kommenden Proben mit Beginn der Übungen unter anderem zur geplanten konzertanten Aufführung von Glucks „Armide“ im Herbst 2021 im Konzerthaus. Aber davor war ja noch das Osterkonzert von Hohenfels in der Philharmonie vorzubereiten – wieder mit bekannten Stücken, obwohl Uli versucht hatte, Herrn Sikora zu Neuem zu bewegen.

Und dann kam alles ganz anders! Seit Anfang März änderte sich komplett unser Leben: Das Coronavirus COVID-19 (SarsCoV-2) löste eine Pandemie aus, die uns nach wie vor in Atem hält. Nichts blieb wie es war: Die Proben mussten eingestellt, Konzertauftritte abgesagt werden. Frustration breitete sich aus. Wie sollte es jetzt weitergehen mit dem Chor? Wie kann man ohne die „kleinen“ Auftritte, ohne Chorwochenende oder gar ohne das Adventskonzert „weiterleben“?

Wir, Monika und ich, hatten uns bereits sehr früh in die Selbstquarantäne zurückgezogen, weil wir beide zur Risikogruppe gehören, ich aufgrund meines Alters, Monika wegen Lungenvorerkrankungen. Und in dieser Selbstisolation befinden wir uns nach wie vor. Deshalb haben wir auch im Sommer leider nicht an den Open-Air-Proben auf der Zitadelle teilnehmen können. Gottseidank werden wir jedoch bei Besorgungen und Einkäufen tatkräftig von unserem Schwiegersohn unterstützt, sodass wir tatsächlich nur zu unbedingt notwendigen Terminen das Haus verlassen müssen. Das Schlimmste aber für uns ist, dass wir unseren gerade zweijährigen Enkel nicht sehen und „knuddeln“ können/dürfen….

Dann wurden jedoch dank unseres kreativen Vorstands und unserer engagierten musikalischen Leitung zur Überbrückung dieser „probenlosen“ Zeit von Uli und Jake die hilfreichen, tollen virtuellen Proben über Jitsi und die parallel dazu erarbeiteten Probenaufzeichnungen auf YouTube eingeführt. Ja, ein nur sehr schwacher Ersatz für Live-Proben – aber immerhin… Das verlangt allerdings auch von uns SängerInnen eine Menge Disziplin. Denn – auch das muss zugegeben werden – es kostet jedes Mal erneut eine gewisse Überwindung, sich vor den Monitor zu setzen und „mutterseelenallein“ zu versuchen, die richtigen Töne zu finden. Angesichts des hervorragenden Angebots im Netz eine echte Herausforderung.

Es tut immer noch und immer wieder weh, auf die Begegnung mit Freundinnen und Freunden in den Proben und den Pausen verzichten zu müssen. Vor allem aber auf die unschätzbaren Hinweise, Anregungen – ja, und auch auf die Kritiken von Uli und Jake. – Selbstverständlich gehört der „leidvolle Verzicht“ auf manch fröhliche Runde am Stammtisch im „Meilenstein“ mit dazu.

Es bleibt die Hoffnung, dass es einfach nur besser werden kann! Mit der Entwicklung von Impfstoffen und der damit verbundenen – hoffentlich flächendeckenden! – Herdenimmunität sollte es vielleicht in absehbarer Zeit doch möglich werden, den normalen Probenbetrieb wieder aufzunehmen. Und: Dass wir dann irgendwann endlich unsere „Armide“ werden aufführen können.

Und wie beendet man in diesen vermaledeiten Zeiten einen solchen Beitrag? Natürlich so: Bleibt Alle gesund!! Wir, Monika und ich, freuen uns auf das Wiedersehen…

Wolfram Svoboda