Lange hat es gedauert, bis ich in den online-Proben, an denen viele von euch so tapfer und geduldig teilnehmen, eine echte Chance gesehen habe: Die Chance, in größerem Umfang als bisher neue Chorliteratur kennenzulernen, wenn auch zunächst nur in den Einzelstimmen. Noch länger hat es gedauert, bis ich nach vielen Gesprächen mit unserem Vorstand und mit Jake sehen konnte, dass sogar gut sein könnte, dass wir nicht genau wissen, wann unser nächstes Konzert im Konzerthaus mit Orchester stattfinden wird. Nun war ich gezwungen, Plan A und Plan B (…und vielleicht auch Plan C) für uns zu entwerfen. Etwa so: Falls es im nun im Jahr 2021 mit dem Konzert im Konzerthaus nicht klappen sollte, könnten wir vielleicht ein kleineres (und finanziell nicht riskantes) Konzert geben mit Chor und Klavierbegleitung. Und besonders schön wäre es dann, wenn wir unser Publikum mit einigen neuen Stücken überraschen könnten. Vielleicht würde das große Konzert im Konzerthaus ja doch stattfinden, – dann könnten wir im Jahr darauf (2022) ein reizvolles kleines Konzert geben.

Bei der Sichtung unseres alten Repertoires fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen, dass wir im Bereich der geistlichen Chöre seit vielen Jahren nichts Neues mehr erarbeitet hatten, zumal die Probenzeit für neue Stücke für unser Adventskonzert in der Nikolaikirche oft schon recht knapp war.

Und dann ging es Schlag auf Schlag:

  • Mir fiel ein Band mit den schönsten geistlichen Chorwerken französischer Komponisten in die Hände, der mich begeistert hat, herausgegeben von der großartigen Oxford-Press.
  • Seitens des Musikausschusses gab es sehr interessante Vorschläge, – zunächst für ein Adventskonzert, aber auch für andere Konzerte gut zu verwenden.
  • Und die Idee tauchte auf, dass es Chorwerke gibt, die sowohl für künftige Adventskonzerte als auch für ein Konzert in einer Kirche oder andere Gelegenheiten gut zu verwenden wären, – also ‚zwei Fliegen mit einer Klappe…‘
  • Beim Aufräumen, Einordnen und Sichtung alter Ordner mit Chorliteratur entdeckte ich Stücke, die ich seit vielen Jahren schon gerne geprobt und aufgeführt hätte, die ich aber gänzlich aus dem Blick verloren hatte. (Was so ein Lockdown doch alles mit einem anstellt!)

Und natürlich gab es auch Einwände und Sorgen:

  • „Müssen wir jetzt immer in französischer Sprache singen?!?!“
    –– Nein! Einige Kompositionen französischer Komponisten werden in lateinischer Sprache gesungen.
  • „Oh Gott, jetzt im Winter und im Lockdown auch zu Hause, allein vor dem PC auch noch traurige, ernste, depressive, schwunglose, niederdrückende, andächtige, schwung- und freudlose ‚Begräbnis-Gesänge‘ krächzen, – das ist zu viel für mich!!!“
    –– Das hat sich, so glaube ich, erledigt…

Sehr gespannt bin ich darauf, wenn wir einmal alle, ja wirklich alle zusammen singen werden, und dann entdecken, was wir alles Neues kennengelernt haben. Und unser Publikum hat es verdient, dass wir es überraschen und zeigen: Schaut einmal her, damit habt ihr jetzt nicht gerechnet…!

Lasst Euch nicht verdrießen, wenn einige in eurer Stimmgruppe nicht an den online-Proben teilnehmen. Es hilft am Ende ungemein, wenn in jeder Stimme einige sind, die die Spur haben.

Bleibt also dran, und ich wünsche euch viel Freude an unserem abwechslungsreichen Proben-Programm.

Euer Chorleiter Uli